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135. Geburtstag Erich Pommer

Erich Pommer (1889-1966) war einer der kommerziell erfolgreichsten Produzenten des Weimarer Kinos. Zum 135. Geburtstag des Erfolgsproduzenten zeigen wir in den kommenden Monaten große Klassiker, aber auch weniger bekannte Produktionen der frühen Filmgeschichte. Den Auftakt machen Robert Wienes DAS CABINET DES DR. CALIGARI, Fritz Langs DER MÜDE TOD und Josef von Sternbergs DER BLAUE ENGEL. Im August setzen wir die Reihe fort mit den Stummfilmen DIE PEST IN FLORENZ (1919) und DER TURM DES SCHWEIGENS (1925). Als Highlight präsentieren wir die Wiesbadener Premiere der digital restaurierten Fassung von ICH UND DIE KAISERIN (1933) mit einer Einführung der Filmrestauratorin Miranda Reason.

Sein Name ist von METROPOLIS über DER LETZTE MANN bis hin zu DER KONGRESS TANZT mit einigen der bedeutendsten Werke des frühen deutschen Films verbunden. In seinen Produktionen traten die großen Stars der Zeit auf – Lilian Harvey, Willy Fritsch, Heinz Rühmann, Conrad Veidt, Lil Dagover, Hans Albers, Werner Krauß, Emil Jannings und Marlene Dietrich.

Im Zuge der NS-Politik der „Arisierung“ des deutschen Films löst die Ufa am 29. März 1933 den Vertrag mit Erich Pommer auf. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere muss er ins Exil. 
Er arbeitet in Frankreich, England und als sich die politische Lage in Europa zuspitzt, versucht er in Hollywood Fuß zu fassen. Doch nach einem Herzinfarkt 1941 wird sein Vertrag bei RKO Radio Pictures Inc. nicht verlängert. Er plant mehrere Filme, die nicht produziert werden. Krank und in wirtschaftlicher Not muss er mit seiner Frau in einer Porzellanfabrik arbeiten. 1944 wird er in die USA eingebürgert.

1946 ist Pommer wieder in Deutschland, wo er als oberster Filmoffizier der amerikanischen Militärregierung für die Neuorganisation der deutschen Filmproduktion (Entnazifizierung, Wiederaufbau der Studios, Vergabe von Produktionslizenzen) zuständig ist. Seine Arbeit ist an die politischen Vorgaben der Amerikaner gebunden. Dabei gerät er zwischen die Fronten: Die deutsche Seite hält ihn, den Repräsentanten der Amerikaner, für den „Vater der Dekartellisierung“, der dafür sorgt, dass das deutsche Kino vom internationalen Wettbewerb ausgeschlossen wird; die Amerikaner werfen ihm, dem gebürtigen Deutschen, vor, sich zu stark für die Selbständigkeit der deutschen Filmindustrie zu engagieren und sie zu einem Konkurrenten Hollywoods aufbauen zu wollen.

1949 legt Pommer sein Amt nieder und kehrt in die USA zurück. Seine dortigen Versuche mit einer neu gegründeten Firma, Signature Pictures Corp., die deutsch-amerikanische Filme produzieren soll, schlagen fehl. Anfang der 50er Jahre gründet Pommer in München die Intercontinental Film GmbH, deren erster Film NACHTS AUF DEN STRASSEN unter der Regie von Rudolf Jugert und prominent besetzt mit Hildegard Knef und Hans Albers, den Deutschen Filmpreis 1953 erhält.
1956 erhält der von ihm produzierte Anti-Kriegsfilm KINDER, MÜTTER UND EIN GENERAL unter der Regie von Laszlo Benedek, den Grand-Prix de l'Union de la Critique de Cinéma (UCC) und den Golden Globe der Hollywood Foreign Press Association als bester ausländischer Film. Der Film existiert in zwei Fassungen: Unter dem Druck des Verleihs muss Pommer für den deutschen Markt einem entschärften Schluss zustimmen.

Unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen in der BRD wendet sich Pommer 1956 erneut den USA zu und gründet zusammen mit seinem Sohn John die Rossmore Productions. Er verfolgt verschiedene Film- und Fernsehprojekte, kann aber keines mehr realisieren. Am 8. Mai 1966 stirbt Erich Pommer in Los Angeles.

Quelle: filmportal.de
 

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