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Film

Projekt: Kohlhiesels Töchter

Projekt: Kohlhiesels Töchter

  • KOHLHIESELS TÖCHTER: Henny Porten als gefällige Gretel KOHLHIESELS TÖCHTER: Henny Porten als gefällige Gretel
  • KOHLHIESELS TÖCHTER: Henny Porten als plumpe Liesel KOHLHIESELS TÖCHTER: Henny Porten als plumpe Liesel
  • KOHLHIESELS TÖCHTER: Emil Jannings (Xaver) und Gustav von Wangenheim (Seppl) KOHLHIESELS TÖCHTER: Emil Jannings (Xaver) und Gustav von Wangenheim (Seppl)
  • KOHLHIESELS TÖCHTER: Abendessen bei Familie Kohlhiesel KOHLHIESELS TÖCHTER: Abendessen bei Familie Kohlhiesel
  • KOHLHIESELS TÖCHTER: Xaver ist von Liesel wenig begeistert KOHLHIESELS TÖCHTER: Xaver ist von Liesel wenig begeistert
  • KOHLHIESELS TÖCHTER: Xaver und Gretel bei Mondeslicht KOHLHIESELS TÖCHTER: Xaver und Gretel bei Mondeslicht
  • KOHLHIESELS TÖCHTER: Xaver und Seppl KOHLHIESELS TÖCHTER: Xaver und Seppl
  • KOHLHIESELS TÖCHTER: Gretel und Seppl KOHLHIESELS TÖCHTER: Gretel und Seppl
  • KOHLHIESELS TÖCHTER: Xaver und Gretel bei Mondeslicht KOHLHIESELS TÖCHTER: Xaver und Gretel bei Mondeslicht

Am Sonntag, den 18. Februar 2024 findet die Weltpremiere der digital restaurierten Fassung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung mit neuer Musik des Komponisten Diego Ramos Rodríguez live begleitet von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker, Leitung Simon Rössler im Rahmen der 74. Internationalen Filmfestspiele Berlin in der Sektion Berlinale Classics statt.
 

Die digitale Restaurierung des Films KOHLHIESELS TÖCHTER (1920, Regie Ernst Lubitsch) wurde ermöglicht durch BERTELSLMANN und das FFE - Förderprogramm Filmerbe, finanziert durch BKM, Länder und FFA.

Unser Leiter Restaurierung/ Digitalisierung Luciano Palumbo betreute das Projekt.

Es handelt sich um eine Koproduktion von Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE in Kooperation mit Stiftung Berliner Philharmoniker, 2eleven music film.

Synopsis
Der Gastwirt Mathias Kohlhiesel will seine zwei ungleichen Töchter verheiraten – die kratzbürstige Liesl und die adrette Gretl (beide gespielt von Henny Porten). Xaver (Emil Jannings) und Seppl (Gustav von Wangenheim) bemühen sich beide um Gretl, doch Vater Kohlhiesel will erst seine ältere Tochter unter die Haube bringen. Draufgänger Xaver heiratet Liesl – anfangs nur um an Gretl zu gelangen; doch im Zuge seiner ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen „Umerziehungsmaßnahmen“ verliebt er sich in sie. Und da Xaver mit der verwandelten Liesl sein Glück gefunden hat, kann der schüchterne Seppl seine Gretl ehelichen.


Zum Film
Regisseur und Drehbuch-Co-Autor Ernst Lubitsch ist mit Sicherheit einer der bekanntesten und einflussreichsten Emigranten aus der Frühzeit des deutschen Kinos. Mit einer Reihe großer Historienfilme machte Lubitsch sich Ende der 1910er/ Anfang der 1920er einen Namen und emigrierte bereits 1922 in die USA – die Nazis bürgerten ihn 13 Jahre später offiziell aus. Lubitschs einzigartiger Stil ist schon in seinem deutschen Frühwerk erkennbar. 1920 inszenierte er mit KOHLHIESELS TÖCHTER die erste Verfilmung des unterhaltsamen Bauernschwanks von Hanns Kräly als „typisch deutsche“ Variante des Shakespeare-Klassikers Der Widerspenstigen Zähmung. Die Komödie über Profilneurosen, Innerlichkeit, den Glanz der Seele von innen und den äußeren, trügerischen Schein verlegte er in ein verschneites bayrisches Dorf, ähnlich wie schon zuvor bei ROMEO UND JULIA IM SCHNEE (1920). „Mit KOHLHIESELS TÖCHTER drehte Ernst Lubitsch einen der größten Kinoerfolge der Weimarer Republik. Bis Ende der zwanziger Jahre mehrfach aufgeführt, erreichte in Deutschland kein anderer Film des Regisseurs eine derartige Popularität – selbst die international erfolgreichen Historienfilme MADAME DUBARRY und ANNA BOLEYN nicht.“ (Herbert Spaich, 1992)

Henny Porten, damals neben Asta Nielsen einer der ersten deutschen Filmstars, spielte mit Verve, Tempo und großer Lust zur komischen Überzeichnung die Doppelrolle der bis zur naiven Koketterie liebreizenden Gretl und der burschikosen, kämpferischen Liesl. Porten feierte mit Lubitschs burlesker Geschlechterkampf-Komödie einen Sensationserfolg. Im Tonfilm-Remake von 1930 spielte Henny Porten unter der Regie von Hans Behrendt erneut die ungleichen Schwestern.

Bearbeitung
Ernst Lubitschs KOHLHIESELS TÖCHTER wurde 1920 uraufgeführt. Von den Materialien, die für die erste Veröffentlichung entstanden, ist lediglich eine unvollständige, eingefärbte Verleihkopie aus Zellulosenitrat überliefert. Sie enthält dänische Zwischentitel und wird im Danish Film Institute gelagert.
Zwei weitere unvollständige Nitrokopien späterer Herstellung werden im Bundesarchiv verwahrt. Diese sind durchgehend bernsteinfarben viragiert. Alle Materialien stammen von demselben Kameranegativ, welches heute verschollen ist.
Die Kombination dieser drei Filmelemente diente 2022/2023 als Vorlage für die digitale 4K-Restaurierung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Ein viertes Duplikat späterer Generation aus dem Bestand des Bundesarchivs, von einer 1970er-Jahre Rekonstruktion des Filmmuseums München stammend, wurde zur Ergänzung für Zwischentitel und Fehlstellen herangezogen.

Nach der Uraufführung wurde der Film leicht überarbeitet, um das Jugendverbot der Film-Prüfstelle Berlin zu umgehen. Grundlage für die vorliegende Schnittrekonstruktion war die Zensurkarte der jugendfreien Fassung. Quellen zur Uraufführungsfassung waren nicht auffindbar. Die dänische Verleihkopie diente als Referenz für den Farbplan und die Farbrekonstruktion. 

Zur Musik
Die neue Filmmusik von Diego Ramos Rodríguez für Salonorchester entstand im Auftrag von ZDF/ARTE und verarbeitet Motive einer historischen Kino-Musik von KOHLHIESELS TÖCHTER, ein Potpourri von Giuseppe Becce aus damaligen Hits der Volksmusik und Operette von 1920. Diego Ramos komponierte seine Musik auf der metrischen Basis von Walzer, Ländlern und Polkas, die er in der Instrumentierung weiterführt und persifliert, Klangfarben der Volksmusik werden auf klassische Konzertinstrumente transponiert. Mit ihrer betonten Rhythmisierung treiben die zitierten Volksmusik- und Operettenstücke die Handlung voran. Als leidenschaftlicher Filmkomponist beherrscht Diego Ramos das Spiel mit genretypischen Elementen. Seine Musik begleitet den Film mit musikalischem Witz und doppelbödigen Zitaten, sie vermittelt historische Filmmusikpraxis mit neuzeitlichen Kompositionstechniken und lädt zu einer Wiederentdeckung von Lubitschs Stummfilmklassiker ein.

Diego Ramos Rodríguez (*1989 in Madrid) 
Diego Ramos Rodríguez absolvierte ein Violin- und Kompositionsstudium in Madrid, Düsseldorf und Frankfurt, wo er gegenwärtig lebt und arbeitet. Seine Kompositionen werden international von renommierten Klangkörpern wie dem RSO Wien oder ensemble modern Frankfurt aufgeführt. Neben seiner Tätigkeit im zeitgenössischen Konzertbereich hat er sich mit multimedia-Projekten, Performances und Filmmusik - seine letzte Filmmusik DIE THEORIE VON ALLEM ist für den Musikpreis 2024 der Deutschen Filmkritik nominiert - als ein ausgesprochen vielseitiger Musiker profiliert. Seit 2015 beschäftigt er sich als Bearbeiter und Instrumentalist mit Stummfilm-Musik und deren Rekonstruktion.

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