Pionierinnen des Kinos rückt Frauen in den Fokus, die das frühe Kino maßgeblich geprägt haben – oft im Schatten der Filmgeschichte. Anhand von Spielfilmen aus dem Bestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung werden unterschiedlichste Gewerke – vom Drehbuch über das Kostümbild bis hin zur Regie und Produktion – beleuchtet.
Ellen Richter (1891–1969) war eine Ausnahmeerscheinung der Stummfilmära. Nicht nur gründete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Willi Wolff ihre eigene Produktionsfirma, die Ellen-Richter-GmbH, vielmehr war sie von Beginn ihrer Karriere an eine Abonnentin auf Hauptrollen, in denen sie starke Frauenfiguren auf der Leinwand präsentierte. Die Umstellung auf den Tonfilm 1930 gelingt Richter ohne erkennbare Schwierigkeiten, im Gegensatz zu vielen Kolleg*innen. Doch im Frühjahr 1933 endete ihre Karriere abrupt. Die Nationalsozialisten erteilen ihr Berufsverbot. Nie mehr trat sie danach im Film auf.
Danach geriet Ellen Richter schnell in Vergessenheit. Von den rund sechzig Filmen, in denen Richter spielte, sind heute nur etwa zwanzig überliefert. Doch zum Glück sind ihr Leben und Werk seit einigen Jahren wieder verstärkt Gegenstand der filmwissenschaftlichen Forschung. Philipp Stiasny und Oliver Hanley veröffentlichten 2026 ihr sehr umfangreiches Werk "Ellen Richter. Die große Unbekannte des Weimarer Kinos".
Auch die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung leistet mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag. Seit sechs Jahrzehnten kümmert sich die Stiftung um den Erhalt eines bedeutenden Teils des deutschen Filmerbes. Darunter sind auch ein paar Filme von Ellen Richter. Durch die Digitalisierung der Murnau-Stiftung werden die Werke wieder sichtbar und können von Forschenden, Filmliebhaber*innen und dem Kinopublikum (wieder-)entdeckt werden.
Im Juli zu Ellen Richters 135. Geburtstag präsentieren wir den Stummfilm SCHATTEN DER WELTSTADT (DE 1925) und DIE ABENTEURERIN VON TUNIS (DE 1931), der kürzlich digital restauriert wurde und nun seine Wiesbadener Premiere mit einer begleitenden Einführung feiert.
Bild: Gerda Maurus in FRAU IM MOND (1929, R: Fritz Lang) – Quelle: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung