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Film

Cinefest 2025: Zwischen Schreibmaschine und Filmkamera – Literaten und ihr Verhältnis zum Film

Cinefest 2025: Zwischen Schreibmaschine und Filmkamera – Literaten und ihr Verhältnis zum Film

 

Im November 2025 fand das Cinefest – Internationales Festival des deutschen Filmerbes in Hamburg statt. Das cinefest widmete sich in seiner 22. Festivalausgabe dem Thema "Zwischen Schreibmaschine und Filmkamera - Literaten und ihr Verhältnis zum Film". Wir präsentieren im März und April 2026 einen kleinen Ausschnitt des Festivalprogramms und konzentrieren uns dabei auf den Schriftsteller, Journalisten und Drebuchautor Erich Kästner. Ergänzt wird die Auswahl durch Filme aus dem Bestand der Murnau-Stiftung.

Der Schriftsteller und Journalist Erich Kästner (1899–1974) wurde vor allem durch seine Kinder- und Jugendbücher berühmt, die sich durch Witz, klare Sprache und eine humanistische Haltung auszeichnen. Kästner war ein scharfer Beobachter der Gesellschaft der Weimarer Republik und ein entschiedener Gegner von Militarismus und Nationalsozialismus.

Kästner stand dem Medium Film sehr offen gegenüber. Ab 1927 knüpfte er erste Kontakte zur Filmbranche. Ab dem Frühjahr 1931 arbeitet er sogar als Drehbuchautor für die Ufa. Bei dem Kurz-Spielfilm DANN SCHON LIEBER LEBERTRAN, dem Regie-Debüt von Max Ophüls, in dem Kinder und Erwachsene probeweise die Rollen tauschen, erschien sein Name erstmals auf der Leinwand.
Sein 1929 erschienener Roman „Emil und die Detektive“ wurde bereits 1931 zum ersten Mal erfolgreich verfilmt – eine der ersten erfolgreichen deutschen Kinderfilmproduktionen, auch wenn Kästner mit dem Drehbuch von Gerhardt Lamprecht (auch Regie) und Billy Wilder unzufrieden war. Kästners Roman „Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“ (1931) ist in fast filmischer Technik geschrieben: Schnelle Schnitte und Montagen sind wichtige Stilmittel. Erich Kästners Liedtexte für die Kleinstadtsatire DIE KOFFER DES HERRN O. F. (1931, Alexis Granowsky) finden im Film nur unter veränderter Fassung Verwendung. Die darauffolgenden Romane „Pünktchen und Anton“ (1931) und „Das fliegende Klassenzimmer“ (1933) – letzterer wird zwar noch gedruckt, aber nicht mehr ausgeliefert – wurden später ebenfalls mehrfach verfilmt.

1933 wurden seine Werke als „Asphaltliteratur“ (Joseph Goebbels) verbrannt und er unter Berufsverbot gestellt. Kästner blieb aber in Deutschland. Er veröffentlichte nur noch unpolitische Geschichten, vereinzelt unter Pseudonym und im Ausland. Er wird zweimal verhaftet, aber wieder freigelassen.

Neben humoristischen Romanen verfasste Kästner ab 1937 unter dem Pseudonym Eberhard Foerster Boulevardkomödien, die teilweise verfilmt wurden: VERWANDTE SIND AUCH MENSCHEN (1939, Hans Deppe), FRAU NACH MASS (1940, Helmut Käutner) und DER SENIORCHEF (1942, Peter Paul Brauer).

1942 engagiert ihn die Ufa – auf Vorschlag des befreundeten Produktionsleiters Eberhard Schmidt – als Drehbuchautor mit einer „Sondergenehmigung“, die das Schreibverbot partiell aufhebt. Unter dem Pseudonym Berthold Bürger liefert er die Idee und das Drehbuch für den Jubiläumsfilm MÜNCHHAUSEN (1943, Josef von Báky). Kästner bearbeitet das Skript zum Rühmann-Film ICH VERTRAUE DIR MEINE FRAU AN (1943, Kurt Hoffmann) und adaptiert sein Salzburger Tagebuch „Georg und die Zwischenfälle“ als DER KLEINE GRENZVERKEHR (1943, Hans Deppe).

Am 14. Januar 1943, noch vor der MÜNCHHAUSEN-Premiere, in dessen Vorspann selbst sein Pseudonym nicht genannt wird, ergeht ein erneutes Schreib- und Veröffentlichungsverbot von Drehbüchern gegen Kästner. 

Im Rahmen des letztjährigen Cinefest – Internationales Festival des deutschen Film-Erbes blicken wir auf Erich Kästners besonderes Verhältnis zum Film, insbesondere während der NS-Zeit.

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