Wiesbadener Erstaufführung: Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 versucht die junge Fotografin Libuše Jarcovjáková mit ihren Bildern den Zwängen des repressiven tschechoslowakischen Regimes zu entkommen. Sie will herausfinden, wer sie sein möchte, und geht dafür auf die Straßen von Prag, in verstaubte Kneipen, zur Nachtschicht in eine Druckerei, in die Communities der Roma und vietnamesischen Migrant*innen. Schnappschüsse von Nacktheit, Sex und Alkohol wechseln sich ab mit Bildern von Lethargie und Restriktionen. Als sie wegen Fotos aus einem Schwulenclub Probleme mit der Polizei bekommt, geht Libuše eine Scheinehe ein und zieht nach Berlin. Doch auch die neue Welt ist voller Hindernisse. Mit ihrem letzten Geld fliegt sie nach Tokio, wo ihr der Durchbruch als Modefotografin gelingt. Aber das ist nicht das Leben, das Libuše leben will. Sie kehrt erst nach Berlin und später nach Prag zurück. Ihre Rückschläge und Erfolge, ihre Gefühle und Beziehungen und ihre nie endende Suche nach sich selbst sind festgehalten in ihren Bildern und Tagebüchern.
In welcher Welt lebe ich? Wer bin ich? Wie möchte ich leben? Aus Libuše Jarcovjákovás Werk von zehntausenden Negativen und dutzenden Tagebüchern hat die tschechische Regisseurin Klára Tasovská einen poetischen Filmessay montiert. NOCH BIN ICH NICHT, WER ICH SEIN MÖCHTE erzählt von einem besonderen Künstlerinnenleben und einer bewegenden Reise in die Freiheit, die sich über sechs Jahrzehnte spannt und von der sowjetisch „normalisierten“ ČSSR der späten 1960er und frühen 70er über das Ost-Berlin der 80er bis ins Prag nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und von heute führt.
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Pressestimmen:
„Mit bewundernswerter Ehrlichkeit und Offenheit benennt sie die Konflikte, die insbesondere Frauen und queere Menschen betreffen. Ihre Fotografien der Communities der Roma und der vietnamesischen Migrant:innen sowie der queeren Szene bilden spannende Kontraste zu den Restriktionen, von denen die Tschechoslowakei geprägt ist. Dass Jarcovjáková häufig mit Nan Goldin verglichen wird, ist verständlich und mag dabei helfen, ihre Kunst einzuordnen. Dieses Werk zeigt allerdings, was für eine besondere, einzigartige Persönlichkeit mit ganz eigenem Blick Jarcovjáková ist.“ (kino.zeit.de)
„Die Worte aus den Tagbüchern von Libuše Jarcovjáková sind persönlich und intim, erklären aber die Bilder nicht, so dass ein breiter assoziativer Raum entsteht. Besser kann man einem fotografischen Werk kaum gerecht werden.“ (epd-Film)
„NOCH BIN ICH NICHT, WER ICH SEIN MÖCHTE ist kein klassischer Dokumentarfilm, sondern eine Art Selbstporträt der Fotografin Libuše Jarcovjáková. Regisseurin Klára Tasovská hat enormen Fleiß und viel Fantasie darauf verwendet, dem radikal subjektiven Ansatz von Jarcovjákovás Bildern gerecht zu werden. Ihr Film setzt ganz auf die eigene Stimme der Künstlerin, statt die lange Verkannte mit Experten-Interviews in Schubladen stecken zu wollen.“ (film-rezensionen.de)
In Kooperation mit dem Kulturamt Wiesbaden/Literaturhaus Villa Clementine. Zum Programm der Wiesbadener Literaturtage geht's hier.
Mit freundlicher Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
Bild © Libuše Jarcovjáková
Wiesbadener Literaturtage
NOCH BIN ICH NICHT, WER ICH SEIN MÖCHTE (Ještě nejsem, kým chci být)
Regie: Klára Tasovská, CZ/SK/AT 2024, 90 min, DCP, OmU, FSK: ab 16
Gespräch mit der Protagonistin Libuše Jarcovjáková und der Regisseurin Klára Tasovská im Anschluss (Moderation: Rebecca Heiler)
Eintritt: 10€/9€ ermäßigt