Wiesbaden-Premiere der digital restaurierten Fassung der Murnau-Stiftung: Prinzessin Alix von Flausenthurn soll auf Wunsch ihres Vaters eine standesgemäße Ehe mit dem älteren Prinzen Peter Ferdinand schließen. Alix jedoch findet deutlich mehr Gefallen am attraktiven Wiener Adjutanten Nikolaus Graf Preyn, kurz Nux. Nach einem weinseligen Kuss von ihm ist Alix über beide Ohren verliebt – Nux jedoch denkt so gar nicht ans Heiraten, vielmehr schätzt er seine Ungebundenheit. Doch Alix setzt alles daran, ihn für sich zu gewinnen und nimmt Unterricht bei der schönen Geigerin Franzi, die aus der steifen Preußin eine waschechte Wienerin machen soll. Zu dumm nur, dass ausgerechnet Franzi eine der Gespielinnen von Nux ist...
Um 1924/25 gab Produzent Erich Pommer Ludwig Berger den Auftrag, Oscar Straus‘ Operette „Ein Walzertraum“ zu verfilmen. Berger lehnte zunächst ab – wie könne er einen Walzer als Stummfilm verfilmen? – ließ sich dann aber doch hinreißen und verhandelte mit den beiden Drehbuchautoren Robert Liebmann und Norbert Falk eine glaubhafte Geschichte und versetzte die Handlung nach Wien. Aus der seichten Operettenhandlung sollte ein ironisch gebrochenes Märchen entstehen, im Stile der deutschen Romantik. Im Sommer 1925 begannen die Dreharbeiten in Babelsberg, am 18.12.1925 fand die Premiere statt. EIN WALZERTRAUM geriet zum absoluten Kassenerfolg und zog eine ganze Welle weiterer Operettenfilme nach sich. Ferner erschloss er der Ufa als Exportschlager neue internationale Märkte.
Ähnlich wie Ernst Lubitsch spielte auch Ludwig Berger in EIN WALZERTRAUM mit traditionellen Geschlechterrollen. Die Frauen wählen sich ihre jeweiligen männlichen Partner in aktiver, mitunter recht forscher Weise, statt sich auf die patriarchalen Konventionen der Balzrituale und väterlichen Eheanbahnung zu verlassen. Mit subtilem Humor macht Berger sich zudem über die deutsche Kleinstaaterei und die habsburgische Großspurigkeit lustig.
Die zeitgenössische Überlieferung der deutschen Filmfassung besteht ausschließlich aus unvollständigen Materialien. Eine Verleihkopie auf Zellulosenitrat mit erheblichen Fehlstellen des Filmarchiv Austria diente 2024-2025 als Hauptvorlage für die 4K-Restaurierung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Ein Duplikatnegativ späterer Generation aus dem ehemaligen Bestand des Staatlichen Filmarchivs der DDR wurde zur Ergänzung herangezogen und ermöglichte die weitestgehend vollständige Rekonstruktion der Uraufführungsfassung des Films. Fünf fehlende Zwischentitel wurden auf Grundlage der Zulassungskarte der Film-Prüfstelle Berlin rekonstruiert.
Pressestimmen:
„Endlich wieder einmal ein Film, der vom ersten bis zum letzten Moment fesselt, dessen Handlung sich von Akt zu Akt steigert, der das Publikum […] begeistert. […] der Film ist eine Meisterleistung in jeder Hinsicht, eine Glanzleistung der deutschen Filmindustrie, des Regisseurs Dr. Ludwig Berger und so stimmen auch wir begeistert in den Applaus ein.“ (Wolfgang Fischer in: Deutsche Filmwoche, 1.1.1926)
„Man soll sich darüber freuen, daß es wieder einen leichten, schwärmerischen deutschen Film gibt, der zu allen Schichten spricht.“ (Herbert Jhering in: Berliner Börsen-Courier, 19.12.1925)
„Berger hat es geschafft. Er hat einen Stummfilm mit Musik gemacht, einen Stummfilm, der von Musik durchtränkt ist.“ (Curt Riess in: Das gab‘s nur einmal, 1956)
Bild: Quelle - Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Retrospektive Ludwig Berger
EIN WALZERTRAUM
Regie: Ludwig Berger, DE 1925, 124 min, DCP mit eingespielter Musik von Diego Ramos Rodríguez (i. A. von ZDF/ARTE), DF, FSK: ungeprüft, mit Mady Christians, Willy Fritsch, Xenia Desni
Einführung: Filmrestauratorin Miranda Reason
Musik von Diego Ramos Rodríguez (i. A. von ZDF/ARTE)
Eine Koproduktion von Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE in Kooperation mit dem Philharmonischen Staatsorchester Mainz, dem Staatstheater Mainz & 2eleven © 2025