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EIN BLONDER TRAUM (DF)

Die zwei befreundeten Fensterputzer Willy und Willy, die in ausrangierten Eisenbahnwaggons vor den Toren Berlins kampieren, werben um die noch ärmere Artistin Jou-Jou, die nur einen großen Traum hat: Hollywood!

In der musikalischen Komödie EIN BLONDER TRAUM fahren die Fensterputzer in großer Kolonne singend auf ihren Fahrrädern durch Berlin. Das Rad ist hier ein Symbol der modernen, urbanen Welt in Bewegung, ein Stück Freiheit. Anfang der 1930er Jahre sind Autos für die meisten Menschen unerschwinglich, der öffentliche Nahverkehr nicht überall ausgebaut oder ebenfalls zu teuer, und so wird das Rad, das bevorzugte, weil kostengünstige Vehikel. Durch die Industrialisierung seit dem späten 19. Jahrhundert und die Massenproduktion war es für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich geworden. Auch die Wirtschaftskrise ändert daran nichts. Das Fahrrad ist zu einem Teil der Alltagskultur geworden – jedes dritte Fahrrad weltweit ist in jener Zeit in Deutschland unterwegs.

Die Auswirkungen einer desaströsen wirtschaftlichen Situation mit sechs Millionen Arbeitslosen zum Ende der Weimarer Republik brachten so genannte „Depressions-Musicals“ wie DIE DREI VON DER TANKSTELLE und EIN BLONDER TRAUM hervor. Die eskapistischen Geschichten waren an den Kinokassen kommerziell erfolgreich und ließen die deutsche Bevölkerung ihre Alltagssorgen für einen kurzen Moment vergessen. Die Lieder der Erich Pommer-Produktion Ein blonder Traum komponierte Werner Richard Heymann, die Texte schrieb er mit Robert Gilbert und Walter Reisch. Reisch schrieb zusammen mit Billy Wilder, der damals noch am Anfang seiner Karriere stand, auch das Drehbuch. Sie alle verhalfen dem frühen Ufa-Tonfilm (für den ausländischen Markt in mehreren Sprachen produziert) zu großem internationalen Erfolg, wurden von der Produktionsfirma nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 aber sofort fallengelassen und mussten ins Exil fliehen.

EIN BLONDER TRAUM wurde im Jahr 2022 von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in 2K digital restauriert. Beim Termin am 24. Juni hält Filmrestauratorin Miranda Reason eine Einführung.

Pressestimmen:

„Das optimistische Musical-Lustspiel von 1932, das die soziale Not der Zeit sehr bewusst ausklammert, konnte von den Millionen Arbeitslosen zum ermäßigten Eintrittspreis von 30 Pfennig gesehen werden. Einer der großen Ufa-Erfolge. (Parallel entstanden ebenfalls mit Lilian Harvey eine französische und eine englische Version des Stoffs.)“ (Lexikon des internationalen Films)

„Eine gute Dosis Humor, ein klein wenig Ernst und sehr viel Lebensverschönerung wurde in die Mischung gegeben.“ (Vorwärts, 24.9.1932)

„Die Autoren und der Regisseur Paul Martin haben einen hübschen, amüsanten Film geschaffen, voll entzückender Einfälle und gefälliger Musik und besetzt mit zu Recht populären Darstellern. Alles tipptopp made in Babelsberg. […] Die Harvey macht wieder einmal alles Mögliche: Sie fährt Rad und tanzt Seil, sie ist entsagend zärtlich, ihr Tanz vor dem allmächtigen Hollywood-Direktor ist in seiner gekrampften Zerfahrenheit erschütternder, als es viele Worte sein können. Paul Martin läßt sie gleichsam um ihr Leben tanzen.“ (Film-Kurier, 24.9.1932)

In Kooperation mit dem WAZ – Wiesbadener Architekturzentrum e.V.

Bild: Quelle - Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Weltfahrradtag 
EIN BLONDER TRAUM
Regie: Paul Martin, DE 1932, 96 min, DCP, DF, FSK: ungeprüft, mit Lilian Harvey, Willy Fritsch, Willi Forst
Am 24.6.: Einführung: Filmrestauratorin Miranda Reason


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