„Heute bist Du der Erste, geachtet von Allen, ein Minister, ein General, vielleicht sogar ein Fürst – Weißt Du, was Du morgen bist?!“ Als ein alter Hotelportier zum Toilettenmann degradiert wird und seine Livree gegen einen Kittel tauschen muss, beginnt auch sein sozialer Abstieg.
Für den Einsatz der „entfesselten Kamera“ und den fast vollständigen Verzicht von Zwischentiteln ging F. W. Murnaus herausragendes Stummfilmdrama in die Geschichte ein. Ein positives Ende wurde Murnau von der Produktionsfirma Ufa aufgezwungen; er inszenierte es mit bewusst ironischer Übertreibung. Die Uraufführung fand am 23. Dezember 1924 im Ufa-Palast am Zoo in Berlin statt.
„Dieser Film der Ufa-Lichtspiele [...] ist das zur seltenen Einheit gewordene Werk des Bilddichters, der Regie und der Darsteller. […] Eine Dichtung in Bildern, wie gesagt, in Bildern, die aus sich die Fabel entlassen, statt von ihr erst bestimmt zu sein. Ihre Abfolge und ihre Gestaltung, das Werk des Regisseurs Wilhelm Murnau, gibt das Letzte, das hier zu geben ist, man kann das Geschehen nicht ablösen von ihnen, es wohnt ihnen inne, die textlose optische Entfaltung selber ist zur einzig gemäßen künstlerischen Form geworden. […] Emil Jannings ist die Mitte der Dichtung, sein Portier eine Gestalt, die unvergeßlich bleibt.“ (Siegfried Kracauer, Frankfurter Zeitung, 11. Februar 1925)
Bild: Quelle Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Das Murnau-Gästebuch
DER LETZTE MANN
Regie: F. W. Murnau, DE 1924, 90 min, DCP mit Originalmusik von Giuseppe Becce, bearbeitet von Detlev Glanert, DF, FSK: ab 0, mit Emil Jannings, Maly Delschaft, Georg John