Im Mai und Juni erinnern wir an die Schauspielerin, Sängerin und Theaterdirektorin Trude Herr (* 4. Mai 1927 in Köln; † 16. März 1991 in Lauris bei Aix-en-Provence in Frankreich). Im Mai zeigen wir den Film SCHLAGERRAKETEN. Trude Herr hat hier neben deutschen Schlagerstars wie Heidi Brühl und internationalen Musikgrößen wie Jacqueline Boyer, Nat King Cole und Duke Ellington einen Auftritt mit „So schön wie du“.
Trude Herr wurde einem größeren Publikum vor allem durch ihre volkstümlichen Rollen im deutschen Film und Fernsehen der 1950er- und 60er-Jahre sowie als Schlagersängerin mit Liedern wie „Ich will keine Schokolade“ (1960) berühmt. Ihre direkte und authentische Art stand im Kontrast zu den glatten Schlagerstars ihrer Zeit. Selbst aus einer Arbeiterfamilie stammend und immer stolz auf ihre Wurzeln, zeigte sie sich auch in ihrer Kunst immer solidarisch mit den „kleinen Leuten“.
Trude Herr wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Köln auf. Ihr Vater Robert Herr war Lokführer in der Chemischen Fabrik Kalk. Ab 1933 besuchte Trude Herr die Volkshochschule, doch wurde im selben Jahr ihr Vater wegen seiner KPD-Mitgliedschaft verhaftet und musste fast die ganze Dauer des NS-Regimes im Gefängnis verbringen. Die Ausgrenzung und Entrechtung der Familie haben sie für ihr späteres Leben geprägt. Trude Herr musste bereits als Kind selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen.
1946 schloss sie sich zum Entsetzen der Familie einer Wanderbühne aus Aachen an. Doch als sie ein Jahr später bei Willy Millowitsch vorsprach, zeigte er sich von ihrem komödiantischen Talent begeistert. Er nahm Trude Herr in sein Ensemble auf und gab ihr kleine Rollen.
1954 schaffte Trude Herr den künstlerischen Durchbruch als Büttenrednerin im Kölner Karneval, wobei sowohl ihre Leibesfülle als auch die markante Stimme rasch zu ihrem Markenzeichen wurden. Allerdings brachten ihre kompromisslosen und unkonventionellen Ansichten sie wiederholt in Konflikt mit den konservativen Karnevalsgesellschaften. Nachdem ihr 1959 die Aufführung der parodistischen Nummer „Die Karnevalspräsidentengattin“ untersagt worden war, verzichtete sie auf weitere Auftritte.
An der Seite von Grete Fluss trat sie im Varieté-Theater „Kaiserhof“ am Kaiser-Wilhelm-Ring auf, wo der damals bekannte Kabarettist Willy Schaeffers ihr komödiantisches Potenzial erkannte und sie 1958 in sein Theater „Tingel-Tangel“ nach Berlin holte. Gleichzeitig ebnete er ihr den Weg zum deutschen Unterhaltungsfilm. Zwischen 1959 und 1964 wirkte Trude Herr in rund 30 Komödien mit, in denen sie stets die Rolle der resoluten und temperamentvollen „rheinischen Ulknudel“ verkörperte, oft an der Seite von Heinz Erhardt und anderen bekannten Schauspieler*innen.
Sie war eine vielseitig begabte Komödiantin, Schauspielerin, Sängerin und Bühnenautorin. Doch ihr berufliches Umfeld gab ihr nur selten die Chance, sich auch im ernsten Fach zu beweisen. Und so gelang es ihr nicht, sich vom Image der „komischen Dicken“ zu lösen und neue künstlerische Wege zu beschreiten.
Ihren Status als Kölner Kultfigur besiegelte sie schließlich in den Jahren, als sie als Stückeschreiberin, Regisseurin und Schauspielerin das „Theater im Vringsveedel” leitete, wo sie sich stark für das kölsche und, wie sie es nannte, „reformierte“ Volkstheater engagierte, das nicht auf Kosten, sondern im Interesse von Minderheiten unterhalten sollte. „Ich will nicht nur Nostalgie, ich will auch Themen der jungen Generation in der Sprache der Jugend behandeln.“ Und das tat sie knapp zehn Jahre mit Erfolg bis sich Trude Herr, auch aus gesundheitlichen Gründen, schließlich dazu entschloss, das Theater aufzulösen und ins Ausland zu gehen. Trude Herr ließ sich auf Viti Levu, der größten Insel des Fidschi-Archipels nieder und schrieb dort einen Roman. Sie starb im südfranzösischen Aix-en-Provence am 15. März 1991.
Text: Quelle - frauenstadtplan.koeln/trude-herr
Bild: Quelle - DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum