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100 Jahre Phantom

Vor 100 Jahren wurde F. W. Murnaus PHANTOM im Berliner Ufa-Palast am Zoo uraufgeführt. Der im expressionistischen Stil gehaltene Film über eine amour fou, die das bürgerliche Kleinstadtleben eines Möchtegern-Dichters auf den Kopf stellt, ist weniger bekannt als Murnaus NOSFERATU, DER LETZTE MANN und FAUST, steht ihnen aber in nichts nach. Vielmehr lassen sich in der stimmigen Atmosphäre und technisch gekonnten Umsetzung viele Elemente seiner berühmten Werke wiederfinden.

Zum Jubiläum zeigen wir PHANTOM am 27. November in der restaurierten und digital-remasterten Fassung mit eingespielter Musik von Robert Israel.

Die literarische Vorlage zu F. W. Murnaus PHANTOM schuf der heute noch bekannte und damals in Deutschland gefeierte Schriftsteller und Dramatiker Gerhart Hauptmann. Am 15. November wurde Hauptmann 60 Jahre alt und sein Jubiläum zu einem nationalen sowie medialen Ereignis: Es erschien erstmals eine zwölfbändige Gesamtausgabe seiner Werke und in der ganzen Republik wurden Aufführungen und Festakte zur Ehrung des Schriftstellers veranstaltet. Die „Phantom“-Verfilmung galt als offizieller Beitrag der deutschen Filmindustrie zum Hauptmann-Jahr. Die Filmpremiere am 13. November 1922 rückte somit in den Rang eines „achtbaren Kulturereignisses“ und Hauptmann selbst verfasste eine Würdigung des Kinos für das Programmheft.

Auf der einen Seite verhalfen die literarischen Vorlagen dem deutschen Film jener Jahre zu einer größeren Reputation. So schreibt der Filmkritiker Hans Wollenberg in der Lichtbild-Bühne am 18. November 1922: „Gerhart Hauptmann, der Sechzigjährige, gehört der Menschheit, dem deutschen Volke, der Literatur; ebenso sehr aber auch – dem Film. Das spricht für ihn nicht nur, den Großen, der nie auf des Parnasses Höhe den Sinn für das Volkstümliche, aber auch für das Zukunftsträchtige des Lichtspiels verloren; das spricht ebenso sehr für den Film, dem ein wahrer Dichter seine Schöpfungen vorurteilsfrei anvertraut.“ Auf der anderen Seite hebt der Filmkritiker die Leistung des Regisseurs in Bezug auf die psychologische Bildführung und die damals revolutionäre Kamera- und Montagearbeit hervor: „dem Gelingen kam man bisher noch nirgends so nahe, wie hier – auch Murnau selbst nicht, in seinem NOSFERATU. So mag dieser Aufsatz, der mit dem Namen Gerhart Hauptmanns begann, mit dem Namen dessen schließen, der sich hier als Lichtspielkünstler hohen Ranges und nicht unwürdiger Filminterpret des großen Gerhart ausgewiesen hat: den Namen des Spielleiters F. W. Murnau.“

Bild: Quelle Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

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