Film

115. Geburtstag Heinz Rühmann

Heinz Rühmann (*7.3.1902 Essen; †3.10.1994 Aufkirchen bei Berg am Starnberger See) nahm schon als Jugendlicher Theaterunterricht und hatte mit 18 Jahren seine ersten Auftritte in Nebenrollen am Theater in Breslau. Letztlich stand er somit sein ganzes Leben auf der Bühne bzw. vor der Kamera. 1926 hat er seinen ersten Stummfilm-Auftritt in DAS DEUTSCHE MUTTERHERZ und spielt dort einen Taugenichts, der Geld unterschlägt, sich dem Kriegsdienst entzieht, ja selbst vor Gewalt gegen die eigene Mutter nicht zurückschreckt. Es bleibt Rühmanns einziger Ausflug ins Fach des unsympathischen Helden.

Seine Bekanntheit wuchs mit weiteren größeren Film- und Theaterrollen, doch erst der Ufa-Film DIE DREI VON DER TANKSTELLE (1930), mit Lilian Harvey und Willy Fritsch, verhalf ihm zum Durchbruch und so wurde Rühmann gleich mit seinem ersten Tonfilm zum Massenidol. Anfang der 1930er Jahre arbeitete er mit Regisseuren wie Robert Siodmak (DER MANN, DER SEINEN MÖRDER SUCHT), Max Ophüls (LACHENDE ERBEN) und Robert A. Stemmle (HEINZ IM MOND) zusammen.

Neben Hans Albers, mit welchem er auch in BOMBEN AUF MONTE CARLO (1931) und DER MANN, DER SHERLOCK HOLMES WAR (1937) gemeinsam vor der Kamera stand, wurde Rühmann zum beliebtesten und bestbezahlten Schauspieler Deutschlands. Zu dieser Zeit gab er bei der Terra-Filmkunst GmbH und mit der Komödie LAUTER LÜGEN sein Regiedebüt. Wenig später ermöglicht es ihm die Produktionsfirma mit einer eigenen Herstellungsgruppe weitere Regieambitionen zu verwirklichen: Den heiteren Familienfilm SOPHIENLUND (1943) und das leise angelegte Melodram DER ENGEL MIT DEM SAITENSPIEL (1944). Unter den Nationalsozialisten wuchs Rühmanns Popularität mit Rollen wie QUAX, DER BRUCHPILOT (1941) im gleichnamigen Film oder als Pennäler Hans Pfeiffer in der legendären DIE FEUERZANGENBOWLE (1944) noch weiter an. Bis heute ist er aufgrund seiner Filmkarriere im Dritten Reich umstritten, auch wenn er selten in expliziten Propagandafilmen wie WUNSCHKONZERT (1940) oder FRONTTHEATER (1941/42) auftrat. Das zeitgenössische Filmpublikum nahm Rühmann auch deshalb nicht als Aushängeschild des nationalsozialistischen Regimes wahr. Das muss im Sinne des Propagandaministers Josef Goebbels gewesen sein, der die subtile Propaganda ohnehin bevorzugte.

Während der Entnazifizierung wurde Rühmann als „nicht belastet“ eingestuft. 1947 gründete er die Filmgesellschaft Comedia-Filmgesellschaft und produzierte unter anderem DIE BERLINER BALLADE (1948/49), die sich mit den Verhältnissen im Nachkriegsdeutschland auseinandersetzt. In seiner schauspielerischen Tätigkeit wich die Unbekümmertheit seiner früheren Rollen der Tragikomik. Am Publikumserfolg änderte diese Hinwendung zu ernsthafteren väterlichen Figuren wie beispielsweise in DER JUGENDRICHTER und MAX, DER TASCHENDIEB nichts. 1957 erhielt er u.a. den Bundesfilmpreis als Bester Hauptdarsteller für seine Leistung in Helmut Käutners DER HAUPTMANN VON KÖPENICK, der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde und 1957 für den erstmals vergebenen Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert war. Es folgten unzählige Auszeichnungen für Rühmann, darunter auch das Große Bundesverdienstkreuz. 1993, ein Jahr vor seinem Tod, hatte Rühmann seinen letzten Filmauftritt in Wim WENDERS IN WEITER FERNE SO NAH!.

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